Raffinerie Leuna
Hinter dem beleuchteten Tanklager ragen die Anlagen der Total-Raffinerie und des Chemieparks in die Höhe (Luftaufnahme mit Drohne).

Neuer Weg von Leuna: Raffinerie als «Herz» und «feste Säule»

Zeitenwende in Leuna: Der ostdeutsche Chemiestandort will ein Vorreiter in Deutschland sein auf dem Weg aus der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl, hin zu neuen Energie- und Rohstoffquellen. «Wir haben den Anspruch, dass wir in Leuna der nachhaltige Industriestandort in Deutschland sind», sagte Christof Günther, Geschäftsführer der Infraleuna GmbH, am Mittwoch bei der Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der Raffinerie. Nötig seien die richtigen Rahmenbedingungen für Unternehmen. «Sonst sind alle Bemühungen umsonst, wenn der Rahmen nicht stimmt», sagte er. Die Infraleuna versorgt Firmen am Standort mit Dienstleistungen für die Produktion, wie Energie und Dampf.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), betonte, der Bund wolle den Standort auf dem Weg des Wandels weiter unterstützen. Es gehe darum, Leuna zu einer Erzeuger- und Transformationsregion wie für grünen Wasserstoff zu entwickeln. Dieser gilt als Energie- und Rohstoffquelle der Zukunft.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht die Raffinerie in Leuna auch in Zukunft als eine «feste Säule» der Volkswirtschaft. Der Chemiestandort insgesamt sei systemrelevant. «Hier wurde ein Stück Landesgeschichte geschrieben und das soll auch so bleiben», sagte er. Das sei auch wichtig für die Ökobilanz, dass «hier Arbeitsplätze erhalten und nicht abwandern», dass «bei uns produziert wird», auch entsprechend den hohen Umweltstandards wie es sie in der Europäischen Union gebe, sagte er.

Die Raffinerie gilt als das Herz des Chemieparks Leuna mit rund 100 Firmen und mehr als 12.000 Beschäftigten, darunter gut 600 in der Raffinerie. Die Erdölverarbeitungsanlage wurde 1994 neu gebaut und 1997 in Betrieb genommen. Das deutsch-französische Wirtschaftsprojekt war eine Schlüsselinvestition für den Strukturwandel im Osten. Rund drei Milliarden Euro wurden investiert, rund 250 Millionen Tonnen Rohöl seither verarbeitet, sagte Thomas Behrends, Geschäftsführer der Totalenergies Mitteldeutschland GmbH (Leuna/Spergau).

Ab 2023 will die Raffinerie nach Angaben des Unternehmens gänzlich nicht mehr von russischem Erdöl abhängig sein. Stattdessen will sich Leuna von Kunden aus dem Markt versorgen, alternative Rohstoff- und Energiequellen für die Zukunft erschließen und nachhaltig produzieren. Die Raffinerie versorgt heute rund 1300 Tankstellen aller Marken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Kraftstoff wie Benzin und Diesel, die aus Rohöl hergestellt werden.

Zudem gilt Leuna als einer der größten Produzenten von Methanol, einem wichtigen Basisprodukt für die weiterverarbeitende Industrie, in Deutschland. Die Raffinerie bezieht Erdöl über Pipelines. Im Frühjahr 2022 hatte der Total-Konzern angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine angekündigt, bis Ende 2022 kein russisches Erdöl mehr zu kaufen.

Leuna habe sich in den letzten Jahren bereits auf den Weg gemacht, die Transformation anzugehen, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Kellner. Hintergrund sind Forschungen und Projekte am Chemiestandort zum künftigen Einsatz alternativer Energie- und Rohstoffquellen wie dem sogenannten grünen Wasserstoff, für den Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie Wind- und Solarkraft, nötig ist.

Nötig für die Umsetzung der Pläne seien Investitionen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro, erklärte Raffinerie-Chef Behrends mit Blick auf den Ausbau der Infrastruktur wie für die Speicherung von «grünem Strom». Denn: «Am Ende des Tages müssen wir wettbewerbsfähig bleiben», sagte er.

Der Chemiestandort Leuna hat eine mehr als 100-jährige Geschichte. Rund 27.000 Menschen waren in dem einstigen DDR-Chemiekombinat beschäftigt. In den 1990er Jahren gab es im Zuge des Strukturwandels der Branche in Ostdeutschland noch 5000 Arbeitsplätze in Leuna. Der Neubau der Raffinerie mit Hilfe von Milliarden an Steuergeldern galt als eine politisch-strukturelle Entscheidung. Bundeskanzler war damals Helmut Kohl (CDU).

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