Strahlenwarnzeichen
Ein Warnschild hängt an einem Fenster zu den Zerlegebereichen in einem Zwischenlager.

Nachbesserungen bei Atommüll-Zwischenlager gefordert

In Lubmin bei Greifswald soll nach längerer Zeit in Deutschland wieder ein Atommüll-Zwischenlager neu gebaut werden. Das Projekt hat nach Aussage des zuständigen Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bundesweite Bedeutung. Vor einem Erörterungstermin für entsprechende Pläne am Dienstag in Greifswald forderten Umwelt- und Naturschützer aber Nachbesserungen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte das Fehlen einer sogenannten heißen Zelle, in der unter entsprechendem Schutz gegebenenfalls defekte Castor-Behälter mit Atommüll geöffnet werden können. In Deutschland sei eine solche Möglichkeit trotz der langen Lagerzeit des Mülls zurzeit nicht vorgesehen.

Bundesweit gibt es 16 Zwischenlagerstandorte. Bis 2031 soll laut Gesetz der Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gefunden sein. Selbst wenn diese Frist gehalten wird, ist noch unklar, wann das Endlager dann tatsächlich zur Verfügung steht. «Es klafft eine große zeitliche Lücke zwischen dem Auslaufen der Zwischenlagergenehmigungen und einem potenziellen tiefengeologischen und dauerhaften Atommülllager», kritisierte Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND.

Nach Aussage von Hannes Damms, Grünen-Abgeordneter im Schweriner Landtag, bedarf es aber nicht erst für das Umladen von Müll nach Genehmigungsende der Zwischenlager einer heißen Zelle. Sie könne bereits jetzt ohne Vorwarnung gebraucht werden, wenn an einem der Castoren durch die Wände oder den Deckel Radioaktivität austrete. Dann müsse eine Reparatur oder Umlagerung vor Ort möglich sein, statt den Atommüllbehälter an einen anderen Ort zu transportieren.

Laut BASE gab es in Deutschland bislang keinen Fall, in dem ein derartiger Behälter geöffnet werden musste. Neben der heißen Zelle gebe es zur etwaigen Reparatur auch die Möglichkeit, einen sogenannten Fügedeckel anzubringen. Auch dieses Verfahren musste demnach noch nicht angewendet werden. Für die Wahl des Konzepts sei der Antragssteller zuständig, in diesem Fall das Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN), das das Fügedeckelkonzept verfolge.

Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin beim BUND Mecklenburg-Vorpommern, forderte zudem bestmöglichen Schutz etwa vor Terrorangriffen und verwies auf aktuelle Ereignisse im Ostseeraum. Die beiden Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 waren Ende September mutmaßlich durch Sabotage beschädigt worden.

Im neu zu bauenden Ersatztransportbehälterlager in Lubmin sollen 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall aus dem dortigen Zwischenlager untergebracht werden. Grund sind gestiegene Sicherheitsanforderungen. Als frühestmögliche Einlagerung gibt das Amt 2027 an. Die Castoren enthalten unter anderem bestrahlte Brennelemente aus den ehemaligen DDR-Kernkraftwerken bei Greifswald und im brandenburgischen Rheinsberg.

Für Dienstagnachmittag war in Greifswald ein Austausch zwischen Bedenkenträgern und Verantwortlichen geplant. Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger hatten nach Angaben des Bundesamtes Anfang des Jahres Einwendungen gegen die Baupläne erhoben. Sie sind zu dem Erörterungstermin eingeladen. Neben BASE-Vertretern und Gutachtern sollten auch EWN-Vertreter teilnehmen. Die Ergebnisse des Termins werden laut BASE gegebenenfalls im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Bei Bedarf sollte der Termin am Mittwoch fortgesetzt werden.

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