AKW Biblis
Das abgeschaltete AKW Biblis in Südhessen.

Erster Kühlturm des AKW Biblis bei Abriss eingestürzt

Er stand fast 50 Jahre, nun ist er Geschichte: Beim Abriss des stillgelegten Atomkraftwerkes Biblis ist der erste der vier 80 Meter hohen Kühltürme eingestürzt. Am Donnerstag um 11.29 Uhr fiel das Bauwerk in sich zusammen. «Er ist in sich zusammen gekracht, wie es geplant war», sagte der Sprecher des Energiekonzerns RWE, Alexander Scholl, auf dem AKW-Gelände im südhessischen Kreis Bergstraße während noch eine riesige Staubwolke über die benachbarten Felder zog. Rund drei Stunden bearbeitete ein Bagger einer niederländischen Spezialfirma die letzten sechs Stützpfeiler des Turms, um ihn zu destabilisieren. Erst beim letzten Pfeiler brach er zusammen. Gesprengt wurde wegen nahe stehender Hochspannungsleitungen und Gebäuden nicht.

Das Kernkraftwerk wurde nach dem Atomausstieg Deutschlands in Folge der Fukushima-Katastrophe 2011 stillgelegt. Seit 2017 wird die Anlage abgerissen. Die beiden Druckwasserreaktoren in Block A und Block B mit ihren vier Kühltürmen gingen 1974 beziehungsweise 1976 in Betrieb. Der jetzt abgerissene Turm gehörte zum Block A. Sein «Zwilling» soll noch im Februar das gleiche Schicksal teilen. Die Türme von Block B sollen im kommenden Jahr abgerissen werden.

Über Stunden war das teils monotone Hämmern des ferngesteuerten Baggers zu hören. Nach einem kurzen Krachen fiel das Bauwerk binnen Sekunden in sich zusammen. Die Genehmigung für den Abriss sei sehr kurzfristig am Dienstag erfolgt, sagte Scholl.

Streit gibt es im Zuge des Rückbaus darüber, wo rund 3200 Tonnen Schutt deponiert werden sollen. Bundesweit gab es Absagen von Deponien, die die leicht kontaminierte Fracht von dem ehemaligen Kraftwerk im Kreis Bergstraße nicht haben wollen. Das hessische Umweltministerium und das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt haben eine Deponie in Büttelborn im benachbarten Kreis Groß-Gerau auserkoren.

Dort aber regt sich heftiger Widerstand. Kreis, Stadt und Deponiebetreiber lehnen eine Lagerung des AKW-Schutts auf der Halde kategorisch ab. Alle Gesellschafter des Betreibers seien gegen eine Deponierung in Büttelborn. «Sie wollen diese Art von Abfall nicht mehr annehmen», sagte Bürgermeister Marcus Merkel (SPD). Nach Angaben eines Sprechers des Regierungspräsidiums werden die Einlassungen des Betreibers derzeit geprüft.

Konkret geht es um 3200 von insgesamt einer Million Tonnen Rückbaumaterial, die unter einem Grenzwert von zehn Mikrosievert Strahlenbelastung liegen. Dies ist nach Behördenangaben nicht gesundheitsbelastend, muss aber speziell freigegeben werden. Der Bauschutt wird derzeit auf dem Geländes des alten AKW in Südhessen gelagert. Auf dem Gelände gibt es auch ein Zwischenlager mit Castoren mit hoch radioaktivem Müll.

Die jetzt anfallenden rund 15.000 Tonnen Schutt durch den Abriss des Kühlturmes haben hiermit aber nichts zu tun. Die Kühltürme sind nie mit Radioaktivität in Verbindung gekommen. «Die Kühltürme haben nichts anderes gesehen als Flusswasser», sagte Scholl. Während der Jahre des Betriebes dienten sie nur dazu, bei heißen Sommertemperaturen oder Niedrigwasser das Wasser des Rheins nicht zu stark, mit Wärme zu belasten. «Der konventionelle Bauschutt wird wieder aufbereitet», sagte Scholl. Er könne dann in der Beton-Produktion oder der Zementindustrie zum Einsatz kommen.

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